Mit Gatsby mitten in die Roaring Twenties

Mit Gatsby mitten in die Roaring Twenties

Obwohl die Veröffentlichung von The Great Gatsby, einem der grossen amerikanischen Romane, in diesem Jahr bereits genau 100 Jahre zurückliegt, erfreut sich das Werk nach wie vor grosser Beliebtheit. Besonders bekannt dürfte dem breiten Publikum die Neuverfilmung aus dem Jahr 2013 mit Leonardo Di Caprio in der Hauptrolle sein. Bis heute hat der zeitlose Klassiker nichts von seiner Faszination verloren. So konnten die 3. und 4. Klassen der Kantonsschule Kreuzlingen sowie die Klasse 28Mb diesen Monat in den Genuss einer Vorstellung der American Drama Group im Sport-und Kulturzentrum Dreispitz in Kreuzlingen kommen.

Direkt aus den 1920ern (v.l.): Jordan, Nick, Daisy und ihr Mann Tom. (Corina Tobler)

Isabelle Mayer, Dana Bonifer & 28Mb

The Great Gatsby spielt in den 1920er-Jahren und erzählt die Geschichte von Jay Gatsby, einem wohlhabenden, geheimnisvollen Mann, der legendäre Partys in seinem luxuriösen Anwesen veranstaltet, um die Aufmerksamkeit seiner früheren Liebe, Daisy Buchanan, zurückzugewinnen. Der Erzähler und Gatsbys Nachbar, Nick Carraway, wird Zeuge von Gatsbys Besessenheit von Daisy, dem «golden girl» mit einer Stimme «full of money», sowie seiner verzweifelten Suche nach einem idealisierten Bild der Vergangenheit. Die Tragödie entfaltet sich, als Gatsbys Traum von einer perfekten Zukunft mit Daisy, welche die Personifizierung von Jay Gatzs American Dream darstellt, scheitert, was letztlich zu seinem Tod führt.

Schöne neue Welt?

In rund 1,5 Stunden erzählte die fünfköpfige Crew der American Drama Group unter der Regie von Leopold Benedict die Geschichte, welche die Zerbrechlichkeit des amerikanischen Traums sowie die Illusionen von Liebe und Wohlstand ins Zentrum stellt. Originalgetreu teilte Nick Carraway seine Erlebnisse und Eindrücke rund um das Mysterium einer neuen Welt, die sich ihm nur nach und nach erschliesst, mit dem Publikum.

Wie bei vergangenen Auftritten verstand es die American Drama Group auch dieses Mal, das junge Publikum zu begeistern. Mit minimalen Mitteln gelang es den Schauspielerinnen und Schauspielern, die Atmosphäre der «Roaring Twenties» authentisch zum Leben zu erwecken. Immer wieder lockerten der kräftige Gesang und die Charleston-Tanzeinlagen, wohlgemerkt in schillernden Kleidern im Stil der 20er-Jahre, die oft angespannte Stimmung des Stücks auf und versetzten das Publikum direkt ins Jazz Age zurück.

Mit einfachen Mitteln und dem Publikum

Auch die Ortswechsel sowie die für das Stück wichtigen Autofahrten durch die Vororte und ins Zentrum New Yorks wurden kreativ umgesetzt: Plakate mit Bäumen und der Skyline von New York wurden hochgehalten, und ein kleines Spielzeugauto symbolisierte die Fahrt, die den Tod von Tom Buchanans Geliebter, Myrtle Wilson, auslöst.

Das gelbe Auto wird Myrtle Wilson (rot gekleidet) zum Verhängnis. (Corina Tobler)

Nicht zuletzt nutzte die American Drama Group eine Dimension für sich, die dem Buch und Film verwehrt bleibt: die Interaktion mit dem Publikum. Dieses wurde immer wieder mit einbezogen – sei es durch Klatsch und Tratsch rund um Jay Gatsbys Identität mit einzelnen Gruppen von Schülerinnen und Schülern oder durch das Einbinden letzterer als Statisten im Stück – so wurde zum Beispiel eine unserer Schülerinnen für kurze Zeit zu einer «wohlhabenden Tänzerin aus der Schweiz» an einer von Gatsbys ausschweifenden Parties.

100jährig und doch hochaktuell

Abschliessend lässt sich sagen, dass an diesem Nachmittag eindrucksvoll deutlich wurde, warum The Great Gatsby auch nach 100 Jahren noch ein gleichermassen bedeutendes und faszinierendes Werk der Literaturgeschichte ist. Themen wie Liebe, Eifersucht, Identität, Selbstinszenierung und -verwirklichung, Schein und Sein sowie der (gescheiterte) American Dream sind noch immer aktuell.

George Wilson, nun verwitwet, sucht verzweifelt den Mörder seiner Frau. (Corina Tobler)

Die Erstklässlerinnen und Erstklässler aus der 28Mb, welche sich seit Februar 2025 intensiv mit F. Scott Fitzgeralds wohl berühmtestem und (nicht nur an American high schools) meistgelesenem Werk beschäftigt haben, fassen den «highly intriguing»  Theaterbesuch bei wie folgt zusammen:

  • What a captivating performance! The cast is very well chosen! The actors are extremely talented; they are GREAT! Jordan’s voice/ her singing is so impressive; breathtaking, in fact. Nick’s speeches are outstanding. I like Tom’s acting best! Jordan is my favourite character! The characters develop during the play, which is very interesting. (students, 28Mb)
  • It’s amazing how the actors used the small space on stage. The costumes represent the Golden Age beautifully well. I wish I had a dress like that! The play and its plot were easy to follow. The dancing and the crazy parties are fascinating. The play is funny, amusing, and at the same time very profound. The minimalist stage design is enchanting. The large wooden box on stage is used as a bench, a table, a bar on which people dance during the parties, a car, the train compartment, and finally Gatsby’s grave. After the show, the very same stage accessory will be used as the wardrobe for the actors’ costumes. (students, 28Mb)
  • Jay Gatz’ insecurity comes to light faster than in the novel. The deconstruction of his character is really sad. All that remains of the “GREAT Gatsby” is a little and confused boy who has tried to please his dad. (class discussion, 28Mb)
  • I’m deeply moved by the spellbinding performance and I feel like going back to uni (preferably in the US) to analyze and discuss the enticing novel some more! (Dana Bonifer)

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