In ihrer ersten Aufführung hat sich die neue KSK-Theatergruppe den Dramen Friedrich Schillers angenommen und diese in furioser Weise zum Leben erweckt.
Michael Volkart
In der als «Schiller to go» betitelten Inszenierung setzte sich der neue Freikurs Theater unter der Regie von Lukas Krejčí das kühne Ziel, neun Dramen Friedrich Schillers in einen einzigen Theaterabend zu verpacken – ein Ziel, das die vier Freikursschülerinnen auf der Bühne der KSK-Werkaula in sehr unterhaltsamer Weise umzusetzen vermochten.
Die Vorbereitungen für die Inszenierung starteten vor rund einem Jahr, im Frühlingssemester 2025. Die Grundidee des Stücks bestand darin, so Lukas Krejčí, einen kurzweiligen, dem heutigen Zeitgeist entsprechenden Einblick in Schillers Werk zu geben. «Normalerweise nimmt ein Werk Schillers einen ganzen Abend ein, doch in unserem Stück wird es konzentriert zusammengefasst.» Dass Texttreue dabei nicht im Mittelpunkt steht, versteht sich von selbst. Im Theaterstück «to go» gehe es eher darum, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer am Schluss ein Stück Schiller mit nach Hause nehmen könnten, so Krejčí: «Man kann am Schluss keine Mind-Map der Figuren aus Die Räuber erstellen, aber man erkennt, dass alle Figuren am Schluss tot sind oder dass es dramatisch wird. Dabei gewinnt man einen Eindruck von Schillers Pathos, seinen verschiedenen Schaffensphasen und dem Leidensdruck der Figuren.»

Kreative Neuinterpretationen
Das Ensemble, das die Ideen auf der Bühne umsetzte (Sara Mäder und Isabell Schrittwieser aus der 27Mc, Ladina Faas aus der 26Mc und Emmy Palo aus der 26Mz), stand also vor einer grossen Aufgabe, doch es meisterte diese in bravouröser Weise. In kreativen Szenen in wechselnden Formen wurde den Zuschauerinnen die Essenz von frühen Stücken wie «Die Räuber» und «Kabale und Liebe» bis hin zu Spätwerken wie «Die Jungfrau von Orléans» und «Wilhelm Tell» vermittelt. Schillers Pathos wurde dabei in humorvoller Weise interpretiert. So wurden mittels Strichliste an der Wand die Todesfälle (zum Schluss waren es annähernd hundert) notiert, die auftretenden Figuren wurden im erzählenden Kommentar zu «Dudes» und «Sidechicks» erklärt und es wurden Hörspiele und ein Kahoot-Quiz in das Theater eingebaut.

Ein Leitmotiv für die Inszenierung wurde im Verlauf der Aufführung explizit geäussert: «Je epischer das Werk, desto radikaler die Kürzung.» Besonders deutlich erkennbar wurde dies bei der kurzen Szene zu «Wallenstein». Während klassische «Wallenstein»-Inszenierungen mehrere Abende füllen können, diente das Stück hier als Grundlage für ein gemeinsames Lied, das zum Abschluss des Abends mit dem Publikum gesungen wurde.

Das Lernen der Texte hat es in sich
Mit der Aufführung des Theaterstücks endete eine lange und vor allem zum Schluss auch intensive Phase der Vorbereitung, wie die involvierten Schülerinnen berichten. Theaterspielen mache zwar Spass, aber vor allem das Auswendiglernen der Texte sei mit viel Aufwand verbunden, betont Ladina. Zudem müsse man sich in viele verschiedene Rollen hineindenken und die Verkörperung dieser Figuren einüben. Eine weitere Herausforderung bestehe in der Komik einzelner Szenen: «Manchmal ist es schwierig, auf der Bühne ernst zu bleiben, weil gewisse Szenen auch absurd sind.» Ähnlich wie für Ladina war auch für Emmy das Auswendiglernen der Texte die grösste Aufgabe. Darüber hinaus brauche auch das Auftreten auf einer Bühne Überwindung: «Vor einem Publikum einen anderen Menschen zu verkörpern, gehört nicht zu den Dingen, die man im Alltag macht – doch es macht auch grossen Spass», betont Emmy.

Mit dem Theaterstück «Schiller to go» hat die Theatergruppe mit einer Mischung aus Ernst und Ironie, verbunden mit grosser Spielfreude, gezeigt, wie das Werk Friedrich Schillers heutzutage interpretiert werden kann. Für weitere Inszenierungen freut sich die Gruppe über Nachwuchs. Die Anmeldung wird im Zuge der nächsten Freikursausschreibung im Frühling 2026 wieder möglich sein.

