{"id":1137,"date":"2021-11-29T12:08:15","date_gmt":"2021-11-29T12:08:15","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.ksk.ch\/?p=1137"},"modified":"2022-01-14T08:31:14","modified_gmt":"2022-01-14T08:31:14","slug":"frustriert-lass-es-raus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/2021\/11\/29\/frustriert-lass-es-raus\/","title":{"rendered":"Aus der Schulleitung: Frustriert? Lass\u2019 es raus!"},"content":{"rendered":"\n<p>Frustration oder sogar Aggression \u2013 auch das kann eine Reaktion auf den Schulalltag sein. Aggression ist der freie Fall von einer Klippe. Frustration hingegen ist der Balanceakt, noch bevor man st\u00fcrzt. Gibt es Auswege?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Marcello Indino<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Die allermeisten Menschen im schulischen und privaten Umfeld habe ich als friedliebend kennenlernen d\u00fcrfen. Klar, ein paar von ihnen k\u00f6nnen auch ganz sch\u00f6n zickig werden, w\u00e4hrend andere manchmal \u00fcbertrieben harmonies\u00fcchtig sind \u2013 beides kann einem gleichermassen den Tag vermiesen. Aber die allermeisten k\u00f6nnen auch mal die F\u00fcnfe gerade sein lassen, wenn es hilft eine Situation nicht zur Eskalation zu f\u00fchren. Also das kleine Ich und das kleine Mir zugunsten des grossen Wir und des grossen Uns mal kurz auf Pause zu stellen. Ich &#8211; so sch\u00e4tze ich &#8211; \u00fcbrigens auch \u2013 zumindest in den allermeisten F\u00e4llen. Denn vermutlich k\u00f6nnen wir alle in bestimmten Momenten so richtig abdrehen, uns nicht mehr sp\u00fcren, es mit uns durchgehen lassen \u2013 egal wie friedliebend wir in den allermeisten F\u00e4llen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei amerikanische Psychologen haben dieses Ph\u00e4nomen Ende der 1940er \u2013 Jahren (nicht gerade eine friedliche Zeit, \u00fcbrigens) mit der Frustrations-Aggressions-Hypothese zu erkl\u00e4ren versucht. Aggression sei jeweils nicht die erste Reaktion auf ein bestimmtes Ereignis, sondern entstehe erst, wenn dieses Ereignis Frustration ausgel\u00f6st habe. Frustration baut sich wiederum auf, wenn man die eigenen Ziele nicht erreichen kann. Und zwar unabh\u00e4ngig davon, ob man sich selbst daran hindert oder von aussen daran gehindert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun gut, welchen Unterschied macht es denn, ob ich wegen einer Situation direkt aggressiv werde oder mich diese Situation zuerst frustriert, bevor sie mich aggressiv macht? Wenn Sie mich fragen, einen fundamentalen! Aggression ist eine unmittelbar handlungsrelevante Emotion. Es ist ein Zustand, der uns dazu bewegt etwas zu tun \u2013 irgendetwas, bloss damit das unangenehme Gef\u00fchl wieder nachl\u00e4sst. Vielleicht sogar etwas, das mit der Ursache der Emotion nichts zu tun hat. Haben Sie etwa schon mal eine T\u00fcr zugeschlagen, weil Sie jemand genervt hat? &#8211; Eben!<\/p>\n\n\n\n<p>Aggression ist der freie Fall von einer Klippe. Frustration hingegen ist der Balanceakt, noch bevor man st\u00fcrzt. Es ist der kurze Augenblick, in dem man zumindest die Ursache des eigenen Zustandes noch im Blick haben kann, bevor man ungebremst nach unten rauscht. Man hat die Klinke gewissermassen schon in der Hand, aber die T\u00fcr steht noch offen. Ein geeigneter Moment also, um den Faktor zu analysieren, der die Situation ausgel\u00f6st hat \u2013 das nicht erreichte Ziel. War es denn \u00fcberhaupt realistisch gesetzt? Wurde es tats\u00e4chlich konsequent verfolgt? Wurde man von aussen an der Zielerf\u00fcllung gehindert oder stand man sich eher selbst im Wege?<\/p>\n\n\n\n<p>Schulen k\u00f6nnen ein ganzes Biotop nichterf\u00fcllter Ziele sein, regelrechte Treibh\u00e4user sogar. Beispiele kennen Sie sicher mehr als genug. So kennt etwa das Schweizer Notensystem, vermutlich als eines der wenigen weltweit, mehr ungen\u00fcgende als gen\u00fcgende Noten. Dass also Raten statistisch gesehen in einer Pr\u00fcfung nicht hilft, ist frustrierend \u2013 irgendwie. Und der Stundenplan muss 350 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern, ann\u00e4hernd 40 Lehrpersonen, mehr als einem Dutzend F\u00e4chern und beschr\u00e4nkten Raumverh\u00e4ltnissen gerecht werden. Und so ist diese seltsame Freistunde am Dienstagmorgen jede Woche aufs Neue frustrierend \u2013 irgendwie.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz ehrlich&#8230; Am Notensystem werden wir vor Abschluss Ihrer Matura nichts mehr \u00e4ndern k\u00f6nnen. Und drei freie Nachmittage in jeder Klasse, bei mehr als 35 Lektionen die Woche, kriegen wir auch nicht hin. \u00dcbrigens werden wir es auch nicht schaffen, Ihr Recht auf Bildung mit der H\u00e4lfte an Lektionen zu erf\u00fcllen. Diese letzte Option f\u00e4llt also leider auch weg. Alles frustrierend \u2013 irgendwie.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/HuD_2021_008-1024x576.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1140\" srcset=\"https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/HuD_2021_008-1024x576.png 1024w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/HuD_2021_008-300x169.png 300w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/HuD_2021_008-768x432.png 768w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/HuD_2021_008-1536x864.png 1536w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/HuD_2021_008.png 1920w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption> An der KSK stehen viele T\u00fcren offen (Daniel Hurtado)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Wenn wir also die Spielregeln nicht \u00e4ndern k\u00f6nnen, auf die wir uns alle eingelassen haben, so doch das Spielfeld, auf dem wir uns gemeinsam bewegen. Manchmal sind es die kleinen Gesten, die die gr\u00f6ssten W\u00fcrfe mit sich f\u00fchren. Wir sind aber darauf angewiesen, dass Sie Bed\u00fcrfnisse, Anliegen, W\u00fcnsche, Vorschl\u00e4ge \u2013 und vielleicht auch Visionen \u2013 offen kommunizieren, solange Sie die T\u00fcrklinke noch in der Hand halten. Und nicht erst nach der Matura, wenn die T\u00fcre im Guten oder im Schlechten schon geschlossen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Suchen Sie in einer Klassenstunde das Gespr\u00e4ch mit Ihrer Klassenlehrperson. Sprechen Sie eine Vertrauenslehrperson auf das an, was Sie besch\u00e4ftigt. Wenden Sie sich an die Sch\u00fcler- und Sch\u00fclerinnenorganisation. Ergreifen Sie w\u00e4hrend einer Parlamentssitzung das Wort. Gehen Sie auf eines der Schulleitungsmitglieder zu. W\u00e4hlen Sie den Kanal, der Ihnen am geeignetsten erscheint und Ihnen am meisten zusagt: So oder so, lassen Sie es raus!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frustration oder sogar Aggression \u2013 auch das kann eine Reaktion auf den Schulalltag sein. Aggression ist der freie Fall von einer Klippe. 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