{"id":1325,"date":"2022-02-18T11:01:22","date_gmt":"2022-02-18T11:01:22","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.ksk.ch\/?p=1325"},"modified":"2022-02-11T14:11:04","modified_gmt":"2022-02-11T14:11:04","slug":"die-letzte-lootbox","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/2022\/02\/18\/die-letzte-lootbox\/","title":{"rendered":"Die letzte Lootbox"},"content":{"rendered":"\n<p>Stellen Sie sich vor, mit wie vielen Items Ihr Avatar ausgestattet w\u00e4re, wenn Sie f\u00fcr jene Note, die Sie in Ihrer Kantizeit zur\u00fcckerhalten haben, eine Lootbox \u00f6ffnen d\u00fcrften. Vermutlich w\u00fcrde jeder NPC schon nach zwei Semestern das Weite suchen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Marcello Indino<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Wie viele sogenannte Leistungs\u00fcberpr\u00fcfungen haben Sie nach vier Jahren an der Kanti insgesamt abgelegt? Wie viele Vortr\u00e4ge gehalten, Klausuren geschrieben oder Projektarbeiten verfasst? Und wie oft haben Sie sich gefragt, wie die m\u00fcndliche Note konkret zustande gekommen ist? Sprich, wie oft mussten Sie eigentlich \u2013 auch lange nach der Probezeit \u2013 beweisen, dass Sie definitiv zur Kantonsschule Kreuzlingen geh\u00f6ren und dass Sie danach zu nahezu jeder Hochschule der Welt zugelassen sein werden, um dort Ihren Bachelor \u2013 und bitte auch den Master \u2013 ablegen zu d\u00fcrfen?<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht sind es jeweils so viele, dass manche von Ihnen zeitweilig die \u00dcbersicht verlieren. Jedenfalls staune ich zu Semesterende jeweils \u00fcber nicht wenige Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, die den eigenen Notenschnitt der einzelnen F\u00e4cher nicht kennen \u2013 nicht mal, wenn es in Bezug auf die Promotion auf jede Viertelnote ankommt. Man darf diesen Umstand von seiner positiven Seite betrachten: Sch\u00f6n, dass sich bei uns offenbar doch nicht alles um Noten zu drehen scheint.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"512\" height=\"512\" src=\"https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/InM_2022_001.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1333\" srcset=\"https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/InM_2022_001.png 512w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/InM_2022_001-300x300.png 300w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/InM_2022_001-150x150.png 150w\" sizes=\"(max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><figcaption>Hochger\u00fcsteter Spieler kurz vor dem Sieg in \u00abdnd\u00bb, dem \u00e4ltesten erhaltenen RPG (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dnd_(Computerspiel)\">1974<\/a>)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kalk\u00fcl auf der Zielgerade<\/h2>\n\n\n\n<p>Anders empfinden es vermutlich die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der vierten Klassen, die in wenigen Monaten ihre allerletzten Pr\u00fcfungen bei uns ablegen d\u00fcrfen \u2013 die schriftlichen und m\u00fcndlichen Maturapr\u00fcfungen. Hier wird sich vieles um die Erfahrungsnote drehen. Wie viel kann ich mir in welchem Fach leisten? Wo muss ich noch Notenpunkte gutmachen? Wie viele Nachtschichten soll ich einlegen? Und auf wie viel Freizeit muss ich verzichten? Qu\u00e4lende Fragen, die bei manchen Maturandinnen und Maturanden die letzten Wochen mitpr\u00e4gen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Aufregung vor Pr\u00fcfungen ist mir selbstverst\u00e4ndlich nicht unbekannt. Nicht nur aus der Perspektive eines Sch\u00fclers, sondern auch aus jener einer Lehrperson. Denn als ich an einer Berufsschule, an der ich vor Jahren t\u00e4tig war, noch Abschlusspr\u00fcfungen in Psychologie und Soziologie abnahm, war ich jeweils \u2013 ob Sie es mir glauben oder nicht \u2013 nahezu so aufgeregt wie die Pr\u00fcflinge selbst. Wenn auch aus anderen Gr\u00fcnden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Lernen sichtbar machen<\/h2>\n\n\n\n<p>Der neuseel\u00e4ndische Entwicklungswissenschaftler John Hattie (*1950) hat vor einigen Jahren mit einer grossangelegten Metastudie f\u00fcr Aufmerksamkeit gesorgt, obwohl er sich eine an sich einfache Frage gestellt hat: Welche Faktoren haben den gr\u00f6ssten Einfluss auf Lernerfolg? Publiziert hat er seine Befunde im Buch <em>Lernen sichtbar machen<\/em> (2009). Aber eigentlich h\u00e4tte er auch lediglich Sie befragen k\u00f6nnen, statt rund 1200 Studien mit Daten von etwa 250 Millionen Lernenden zu durchk\u00e4mmen. Denn vermutlich k\u00e4men Sie zur selben Erkenntnis:<\/p>\n\n\n\n<p>Viele der st\u00e4rksten von insgesamt mittlerweile 252 Einflussgr\u00f6ssen auf den Lernerfolg von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler h\u00e4ngen mit <a href=\"\/hattie-ranking-influences-effect-sizes-learning-achievement\/\">Faktoren<\/a> zusammen, die im engsten oder weitesten Sinne \u2013 wenig \u00fcberraschend \u2013 mit der Lehrperson zu tun haben. Das bedeutet in letzter Konsequenz, dass die Lehrpersonen bei jeder Pr\u00fcfung auch immer sich selbst und die eigenen didaktischen und p\u00e4dagogischen Kompetenzen mitpr\u00fcfen. Wir freuen uns \u00fcber jede gute Leistung der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler nicht zuletzt auch im Wissen, dass man nicht g\u00e4nzlich unbeteiligt daran war. Dieselbe Logik gilt \u2013 bis zu einem gewissen Punkt \u2013 selbstverst\u00e4ndlich auch im umgekehrten Fall. Wenn kein innerer Willen vorhanden ist, kann von Aussen auch nichts bewirkt werden. Aber auch in solchen F\u00e4llen sitzen wir gewissermassen im selben Boot, auch wenn Sie das Ruder fest in H\u00e4nden halten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gemeinsames Abschlussritual<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Maturapr\u00fcfung wird nicht der Moment sein, an dem Sie mit dem Kopf an die Wand einer Sackgasse knallen werden. Vielleicht holen Sie sich in einem Fach eine Beule, weil ihre Tagesform Sie nicht das liefern liess, zu dem Sie an sich f\u00e4hig w\u00e4ren. Trotzdem handelt es sich dabei um eine Abschlusspr\u00fcfung, nicht um eine Ausschlusspr\u00fcfung. Die Weiche h\u00e4tte viel fr\u00fcher gestellt werden m\u00fcssen, sollte jemand tats\u00e4chlich noch nicht \u00fcber die notwendige Hochschulreife verf\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Insofern wird Ihr Wissen an der Maturapr\u00fcfung vielmehr best\u00e4tigt, als nur gepr\u00fcft. Denn bewiesen haben Sie es bereits in unz\u00e4hligen Klausuren, Vortr\u00e4gen und Projektarbeiten w\u00e4hrend mindestens acht Semestern. Die Maturapr\u00fcfung ist also vielmehr ein gemeinsames Abschiedsritual \u2013 und den gemeinsamen Blick zur\u00fcck auf vier Jahre Wissenserwerb. Es ist der Moment, an dem wir Sie und Ihr Wissen feiern. Und uns damit ein st\u00fcckweit auch.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellen Sie sich vor, mit wie vielen Items Ihr Avatar ausgestattet w\u00e4re, wenn Sie f\u00fcr jene Note, die Sie in Ihrer Kantizeit zur\u00fcckerhalten haben, eine&hellip;<\/p>\n<p> <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/2022\/02\/18\/die-letzte-lootbox\/\">Read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":1333,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[23],"tags":[],"class_list":{"0":"post-1325","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-der-rektor-bloggt"},"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-17 13:34:14","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1325","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1325"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1325\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1369,"href":"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1325\/revisions\/1369"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1333"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1325"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1325"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1325"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}