{"id":4042,"date":"2024-09-12T06:39:21","date_gmt":"2024-09-12T06:39:21","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.ksk.ch\/?p=4042"},"modified":"2024-09-12T06:40:17","modified_gmt":"2024-09-12T06:40:17","slug":"irren-ist-menschlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/2024\/09\/12\/irren-ist-menschlich\/","title":{"rendered":"Irren ist menschlich"},"content":{"rendered":"\n<p>Mit den <a href=\"https:\/\/www.ksk.ch\/ksk-dialoge.html\/16513\">KSK-Dialogen<\/a> startet eine neue Vortrags- und Diskussionsreihe an der Kantonsschule Kreuzlingen. An der ersten Veranstaltung nahm Biologielehrer Witold Ming das Publikum mit auf eine faszinierende Reise durch die mit Mythen versetzte Urgeschichte der Menschheit.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Michael Volkart<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Schon seit Jahrtausenden denkt der Mensch \u00fcber sich selbst und seine Geschichte nach. Doch die wirklich empirische Auseinandersetzung des Menschen mit sich selbst ist \u2013 menschheitsgeschichtlich \u2013 eine sehr junge Angelegenheit, die in der Neuzeit begonnen hatte und sich vor allem seit dem 19. Jahrhundert intensivierte. Nicht nur religi\u00f6s-\u00fcberkommene Vorstellungen zum Menschen mussten im Zuge der Verwissenschaftlichung der Welt verworfen werden, auch die Wissenschaft selbst hatte immer wieder Thesen publiziert, die sich zwar hartn\u00e4ckig hielten, einer heutigen \u00dcberpr\u00fcfung aber nicht mehr standhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies zeigt sich beispielhaft am Neandertaler, einer mit dem heutigen Menschen nahe verwandten, ausgestorbenen Spezies. Wirkm\u00e4chtig f\u00fcr unsere Vorstellung vom Neandertaler sind Abbildungen, die diesen als gedrungenes und haariges Wesen mit krummer K\u00f6rperhaltung darstellen und die w\u00e4hrend langer Zeit auch in Schulb\u00fcchern zu finden waren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/01-IMG_1742-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4040\" srcset=\"https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/01-IMG_1742-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/01-IMG_1742-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/01-IMG_1742-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/01-IMG_1742-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/01-IMG_1742-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Witold Ming brachte verschiedene Sch\u00e4del als Anschauungsmaterial mit. (Julia Heier)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Aus heutiger Sicht zeigt sich, dass diese Bilder eher der Abgrenzung des Menschen von einem vermeintlich primitiven Verwandten dienten und sich empirisch nicht best\u00e4tigen lassen. So l\u00e4sst sich beispielsweise durch die anatomische Vermessung des Hinterhauptslochs an der Sch\u00e4delbasis zeigen, dass die K\u00f6rperhaltung des Neandertalers aufrecht war. Aufrechter Gang und aufrechte Haltung fallen zusammen und treten evolutionsgeschichtlich schon vor der Entstehung des modernen Menschen auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in Bezug auf die Gehirngr\u00f6sse zeigt sich Erstaunliches, verf\u00fcgte der Neandertaler doch \u00fcber ein signifikant gr\u00f6sseres Gehirn als heutige Menschen. Gehirngr\u00f6sse und Intelligenz korrelieren aber nur bedingt, was sich schon daran aufzeigen l\u00e4sst, dass Frauen heutzutage im Durchschnitt \u00fcber kleinere Gehirne verf\u00fcgen als M\u00e4nner. Beim Blick auf die heutige Tierwelt zeigt sich zudem ein anderer Zusammenhang, n\u00e4mlich derjenige von K\u00f6rpergewicht und Gehirngewicht. Ein grosses Gehirn ist \u2013 evolution\u00e4r betrachtet \u2013 nicht nur ein Vorteil, sondern es verschlingt auch Unmengen an Energie. Ein Gehirn stellt in dieser Betrachtungsweise also eine Investition dar, die mit einem hohen Preis kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Frage der Gehirnentwicklung h\u00e4ngt unweigerlich auch die Frage der Intelligenz zusammen. Sind wir Menschen zumindest in diesem Bereich anderen Spezies \u00fcberlegen? Die Frage muss zumindest teilweise verneint werden, wie Experimente mit Schimpansen aufzeigen. Die an sie gestellte Aufgabe \u2013 das Einpr\u00e4gen der r\u00e4umlichen Position von bis zu neun Zahlen auf einem Bildschirm \u2013 meisterten diese im Durchschnitt weitaus besser als menschliche Probanden. Daraus im Umkehrschluss abzuleiten, dass Schimpansen intelligenter als Menschen sind, ist aber sicherlich ebenso falsch. Vielmehr l\u00e4dt uns das Experiment dazu ein, unseren Begriff von Intelligenz genauer zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/02-IMG_1734-2-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4041\" srcset=\"https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/02-IMG_1734-2-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/02-IMG_1734-2-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/02-IMG_1734-2-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/02-IMG_1734-2-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/02-IMG_1734-2-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die abschliessende Diskussion wurde von Anna Kisters moderiert. (Julia Heier)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Weiteres Nachdenken lohnt sich auf jeden Fall. Denn \u2013 auch dies zeigen Studien \u2013 das Gehirn ist wie jedes andere Organ trainierf\u00e4hig. Nutzen wir es zu wenig, so verk\u00fcmmert es. Eine Aussage, die wir gerade im Hinblick auf die technologische Entwicklung ernst nehmen sollten. Witold Ming lieferte dazu auch gleich noch den pr\u00e4gnanten Merksatz:\u00a0 \u00abUse it or lose it!\u00bb Anlass genug also, um auch beim n\u00e4chsten KSK-Dialog am 26. Oktober um 9.00 Uhr mit dabei zu sein, wenn KSK-Rektor Dr. phil. Marcello Indino einen Einblick in die Erkenntnisse der Motivationspsychologie gibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit den KSK-Dialogen startet eine neue Vortrags- und Diskussionsreihe an der Kantonsschule Kreuzlingen. 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