{"id":4141,"date":"2024-10-30T10:22:29","date_gmt":"2024-10-30T10:22:29","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.ksk.ch\/?p=4141"},"modified":"2024-12-05T21:16:24","modified_gmt":"2024-12-05T21:16:24","slug":"wenn-loben-dann-bitte-nie-fuer-intelligenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/2024\/10\/30\/wenn-loben-dann-bitte-nie-fuer-intelligenz\/","title":{"rendered":"\u00abWenn loben, dann bitte nie f\u00fcr Intelligenz\u00bb"},"content":{"rendered":"\n<p>Die neue Veranstaltungsreihe \u00abKSK-Dialoge\u00bb setzte sich am 26. Oktober 2024 in der Werkaula der KSK fort. Rektor Dr. phil. Marcello Indinos Vortrag unter dem Titel \u00abFlowerlebnis und Leistungserfolg \u2013 Erkenntnisse aus der Motivationspsychologie\u00bb stiess auf grosses Interesse, besonders bei Eltern, die teilweise im Anschluss gleich noch das Lerncoaching-Seminar von Nina Schwab besuchten.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/InM-Dialog-06-ToC-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4140\" srcset=\"https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/InM-Dialog-06-ToC-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/InM-Dialog-06-ToC-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/InM-Dialog-06-ToC-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/InM-Dialog-06-ToC-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/InM-Dialog-06-ToC-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Marcello Indino w\u00e4hrend seines Referates. (Corina Tobler)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><em>Corina Tobler<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Das Wanderwetter im Toggenburg sei gerade hervorragend, betont Marcello Indino zum Auftakt seines Referats. \u00abDa stellt sich mir schon die Frage: Warum sind Sie hier?\u00bb Was im Publikum Gel\u00e4chter ausl\u00f6st, dient nicht nur der Unterhaltung, sondern trifft gleichzeitig den Kern dessen, was Indino in 45 Minuten Vortrag mit anschliessender Fragerunde vermittelt. Wer an diesem Morgen anwesend ist, ist das h\u00f6chstwahrscheinlich aufgrund intrinsischer Motivation, aufgrund der Tatsache dass der Frontallappen im Gehirn das Verlangen des Belohnungszentrums nach Wandern oder l\u00e4ngerem Schlaf unterdr\u00fccken konnte, und aufgrund eines Umfelds, in dem Motivation als wichtiges Thema erachtet wird.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Freiheitsgef\u00fchl weicht Angst<\/h2>\n\n\n\n<p>Indino illustriert in seinem Vortrag alltagsnah, was Studien aus diversen Forschungszweigen \u00fcber die Motivation Jugendlicher f\u00fcrs Lernen aussagen. Er fokussiert auf drei zentrale Einfl\u00fcsse, die den Menschen mit seiner Pers\u00f6nlichkeit \u2013 symbolhaft als Teig dargestellt \u2013 wie ein Wallholz formen. Mit Bezug auf die Umwelt, mit der sowohl Familie als auch die gesamte Gesellschaft gemeint sind, kontrastiert der Rektor etwa seine eigene Zeit als Jugendlicher mit derjenigen der heutigen Generation Z. \u00abMeine Jugend war gepr\u00e4gt von einem Gef\u00fchl der Freiheit nach dem Fall der Berliner Mauer 1989. Dieses dauerte an bis 9\/11 kam und mit ihm ein Gef\u00fchl der Angst. Und: 2007 kam das Smartphone, das einen riesigen Impact auf das Sozialleben der heutigen Jugendlichen hat\u00bb, betont er. Diese Einfl\u00fcsse steuerten die Denkweise ebenso wie die Selbstwahrnehmung von jungen Menschen. <\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die Umwelt also nicht immer nur lernf\u00f6rderlich auf Jugendliche wirkt, stellt sie die biologische Entwicklung ihres Gehirns zus\u00e4tzlich vor Herausforderungen, was effizientes Lernen angeht: \u00abDas Gehirn erf\u00e4hrt in den Jugendjahren sozusagen ein Upgrade in Form der Myelinisierungsphase, die aus den Vernetzungen im Gehirn statt Kupfer- Platindr\u00e4hte macht. Nur: W\u00e4hrend alle anderen Bereiche des Hirns davon schrittweise erfasst werden, bleibt der Frontallappen aussen vor, je nach Studie bis weit ins Erwachsenenalter.\u00bb Warum dies problematisch ist? \u00abDer Frontallappen kontrolliert Impulse, schafft es also, zu verhindern, dass Sie jetzt bei Langeweile einfach aufstehen und nach Hause gehen, obwohl ihr Belohnungszentrum dies fordert.\u00bb <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"604\" src=\"https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/InM-Dialog-03-ToC-1024x604.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4139\" srcset=\"https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/InM-Dialog-03-ToC-1024x604.jpg 1024w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/InM-Dialog-03-ToC-300x177.jpg 300w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/InM-Dialog-03-ToC-768x453.jpg 768w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/InM-Dialog-03-ToC-1536x905.jpg 1536w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/InM-Dialog-03-ToC-2048x1207.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Indino erkl\u00e4rt, dass der Frontallappen bei Teenagern nicht voll entwickelt ist. (Corina Tobler)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Jugendliche geben stattdessen sozial-affektiven Impulsen nach und passen ihre Ziele sehr flexibel an \u2013 sie suchen oft den Dopaminkick, der ihr Belohnungszentrum beruhigt. \u00abW\u00e4hrend der Fokus auf Soziales eine St\u00e4rke sein kann, beg\u00fcnstigt das Sensation Seeking risikoreiches Verhalten.\u00bb Indino macht das Beispiel von wagemutigen Spr\u00fcngen mit dem Mountainbike einerseits, vom Cannabiskonsum andererseits. Riskant sei beides, aber: \u00abWenn Sie f\u00fcr Ihr Kind die Wahl haben, lassen Sie es mit Schutzausr\u00fcstung springen. THC hat n\u00e4mlich nachweislich eine sch\u00e4dliche Wirkung auf das Ged\u00e4chtnis, just dann, wenn es sich positiv entwickeln sollte, und es stumpft emotional ab\u00bb, r\u00e4t er eindringlich. Lieber also Ziele definieren und sich das Gl\u00fcck alias Dopamin so verdienen. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Selbstwirksamkeit ist zentral<\/h2>\n\n\n\n<p>Werden diese Ziele passend gew\u00e4hlt, kann im Idealfall ein Flowerlebnis im Lernprozess resultieren. Daf\u00fcr muss aber einiges gegeben sein: \u00abDie Basis f\u00fcr Motivation ist aus psychologischer Sicht die Erfahrung von Selbstwirksamkeit, das Wissen, selbst etwas erreichen zu k\u00f6nnen.\u00bb Motivation kann verschieden geartet sein, erkl\u00e4rt er detailliert und f\u00fchrt das Publikum an die wesentliche Erkenntnis, dass f\u00fcr ein Flowerlebnis, das bei guten F\u00e4higkeiten und hohen Anforderungen eintreten kann, Motivation zentral ist. Im Idealfall sollte eine Person bei der Suche nach der Erkl\u00e4rung, warum etwas geschieht, m\u00f6glichst internale, kontrollierbare und ver\u00e4nderbare Ursachen identifizieren k\u00f6nnen. Dann n\u00e4mlich glaubt sie, mittels \u00c4nderung ihrer Rolle im System das Ergebnis beeinflussen zu k\u00f6nnen, also beispielsweise eine Aufgabe l\u00f6sen zu k\u00f6nnen. \u00abLoben Sie daher niemals Ihr Kind f\u00fcr seine Intelligenz, wenn es etwas gut gemacht hat. Diese ist weder variabel noch kontrollierbar. Studien zeigen, dass Jugendliche stark motiviert werden k\u00f6nnen, wenn man sie stattdessen f\u00fcr ihre Anstrengung lobt\u00bb, f\u00fchrt Indino aus. <\/p>\n\n\n\n<p>Das so best\u00e4rkte erfolgsmotivierte Denken beim Herangehen an Herausforderungen ist hochwirksam, wenn die Person noch dazu intrinsisch motiviert ist. \u00abDies wird beg\u00fcnstigt, wenn die Person sich autonom, kompetent und sozial eingebunden f\u00fchlt\u00bb, sagt Indino. Eine Belohnung f\u00fcr beispielsweise ein erfolgreiches Bew\u00e4ltigen einer Aufgabe braucht diese Person nicht; im Gegenteil. \u00abDas Produkt aus dem Geleisteten ist die Belohnung. In einer Studie hat man Kinder mit Buntstiften zeichnen lassen. Alle waren topmotiviert dabei. Eine Gruppe liess man einfach machen, bei der anderen ging man hin, lobte sie und belohnte sie mit S\u00fcssigkeiten. Was geschah? Diese Kinder h\u00f6rten auf, zu zeichnen\u00bb, erz\u00e4hlt Indino. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Jugendliche haben weniger intrinsische Motivation<\/h2>\n\n\n\n<p>Auch in Bezug auf die psychologischen Aspekte weisen Studien f\u00fcr die Altersgruppe der Teenager und den Schulkontext spezifisch Stolpersteine nach. So sch\u00e4tzen sich etwa viele Jugendliche zu negativ ein, besonders M\u00e4dchen und beide Geschlechter nach Abschluss der Grundschule. Zudem wird die Selbsteinsch\u00e4tzung zunehmend \u00fcber Noten definiert. Und: \u00abBei Jugendlichen ist ein Verlust der fachspezifischen intrinsischen Motivation sowie der Wahrnehmung der N\u00fctzlichkeit und der Wertsch\u00e4tzung von Bildung allgemein nachgewiesen.\u00bb Vor diesem Hintergrund gelte es, zu versuchen, individuelle Bezugsnormen f\u00fcr die Bewertung zu verwenden, sich als Lehrperson transparent zu zeigen und eine konstruktive Beziehung zu den Jugendlichen aufzubauen. \u00abDiese Faktoren beg\u00fcnstigen die intrinsische Motivation nachweislich\u00bb, so Indino abschliessend.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/InM-Dialog-04-ToC-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4138\" srcset=\"https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/InM-Dialog-04-ToC-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/InM-Dialog-04-ToC-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/InM-Dialog-04-ToC-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/InM-Dialog-04-ToC-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/InM-Dialog-04-ToC-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Indino thematisierte biologische, gesellschaftliche und psychologische Entwicklungen. (Corina Tobler)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Der Rektor verleiht im Anschluss an die Fragerunde seiner Freude Ausdruck, dass die KSK-Dialoge Anklang finden. \u00abWir haben als Schule einen Bildungsauftrag, der, wie ich finde, auch \u00f6ffentlichen Charakter hat\u00bb, sagt Indino auf die Frage, weshalb er die Einf\u00fchrung der Dialoge wichtig findet. \u00abDie Eltern vertrauen uns ihre Kinder an, ohne viel Wissen dar\u00fcber, was sie hier eigentlich den ganzen Tag machen. Die \u00d6ffentlichkeit hat ein Recht darauf, sowohl fachlich als auch pers\u00f6nlich zu wissen, was wir machen.\u00bb Indinos Botschaft an diesem Vormittag ist klar: An der KSK soll prim\u00e4r gelernt werden \u2013 und zwar m\u00f6glichst erfolgreich. Ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Herausforderungen, die dem im Weg stehen, ist daf\u00fcr unumg\u00e4nglich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die neue Veranstaltungsreihe \u00abKSK-Dialoge\u00bb setzte sich am 26. 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