{"id":4413,"date":"2025-05-12T11:59:04","date_gmt":"2025-05-12T11:59:04","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.ksk.ch\/?p=4413"},"modified":"2025-05-12T11:59:43","modified_gmt":"2025-05-12T11:59:43","slug":"errare-humanum-est-warum-latein-nicht-tot-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/2025\/05\/12\/errare-humanum-est-warum-latein-nicht-tot-ist\/","title":{"rendered":"Errare humanum est \u2013 warum Latein nicht tot ist"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Latinum als Voraussetzung f\u00fcr ein Studium existiert fast nirgends mehr. Das Schwerpunktfach Latein kommt vielerorts nicht mehr zustande. Ursula Hertlein, jahrzehntelang Lateinlehrerin an der KSK, ging per Anfang Semester in Pension. Die KSK hat jedoch sofort Ersatz angestellt: Mirjam D\u00f6pfert. Wieso?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Corina Tobler<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Pyramus et Thisbe, juvenum pulcherrimus alter, altera quas oriens habuit praelata puellis \u2026 haben Sie etwas verstanden? Wenn nicht: Ovids Metamorphose \u00abPyramus und Thisbe\u00bb, die Vorlage f\u00fcr Romeo und Julia, beginnt mit diesen Worten. Vermutlich haben Sie daf\u00fcr die S\u00e4tze unter dem Titel problemlos verstanden. Wenn ja, dann haben Sie \u2013 ob bewusst oder nicht \u2013 zumindest indirekt Ihre Lateinkenntnisse f\u00fcr W\u00f6rter wie Studium, existiert oder Pension angewendet.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"647\" height=\"845\" src=\"https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Mirjam-Doepfert-zVg.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4416\" srcset=\"https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Mirjam-Doepfert-zVg.jpg 647w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Mirjam-Doepfert-zVg-230x300.jpg 230w\" sizes=\"(max-width: 647px) 100vw, 647px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Mirjam D\u00f6pfert unterrichtet neu an der KSK Latein. (zVg)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Dies k\u00f6nnte Ihnen nicht nur Mirjam D\u00f6pfert erkl\u00e4ren, die seit Februar an der KSK die Lateinfreikurse unterrichtet, sondern auch ihre Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, die mit grosser Begeisterung die vermeintlich tote Sprache erlernen. Die Motivation, sich die vielen Verbklassen und sechs F\u00e4lle bei Nomen und Adjektiven anzutun, ist ganz unterschiedlich. Nathan (28Mz) ist Italiener und sieht wie sein Klassenkamerad David Vorteile nicht nur f\u00fcrs Erlernen anderer Sprachen, sondern auch f\u00fcr ein ganz anderes Verst\u00e4ndnis gerade der italienischen Kultur. \u00abViele denken, Italien sei einfach warm und habe sch\u00f6ne Str\u00e4nde. Stimmt, aber nicht nur!\u00bb Dem pflichtet Mirjam D\u00f6pfert bei: \u00abDie ganze italienische Kultur und auch unsere Gesellschaft ist so vom Latein durchdrungen, dass man enorm profitieren kann, wenn man Kenntnisse hat. Und eine Stadt wie Rom erlebt man mit Latein ganz anders als ohne.\u00bb <\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich verbringt der Freikurs der 28M-Klassen, den aktuell sechs Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler belegen, die Zeit nicht nur mit dem Erlernen von Wortschatz und Grammatik f\u00fcr \u00dcbersetzungszwecke, sondern auch mit viel kulturellen Inhalten. Ben (28Mz) findet, es seien nicht mal unbedingt die bekannten Aspekte wie die Gladiatorenspiele, die ihn faszinierten: \u00abDas allt\u00e4gliche Leben der R\u00f6mer ist spannender. Man lernt, Hintergr\u00fcnde zu verstehen.\u00bb Mirjam D\u00f6pfert nickt zustimmend. Sie ist sehr positiv davon beeindruckt, wie motiviert die Klasse auch am Freitagnachmittag ans Werk geht und erinnert sich dabei an ihre eigene Schulzeit. Sie lernte Latein n\u00e4mlich selbst als Freikurs kennen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Latein erhalten? \u00abUnbedingt!\u00bb<\/h2>\n\n\n\n<p>\u00abBeim Reinspringen in die Originaltexte habe ich mich in die Mythen verliebt. Da gibt es so viele Themen mit Alltagsbezug. Jupiter und Juno stolpern beispielsweise von einer Ehekrise in die n\u00e4chste\u00bb, sagt D\u00f6pfert schmunzelnd. Sie hatte bereits entschieden, Deutsch zu studieren und nahm dann aus Liebe zum Fach Latein dazu. \u00abIch dachte mir, ach, was soll&#8217;s. Ich hab ja ein sicheres Fach mit Deutsch. Latein ist so vielschichtig, schliesst Kultur, Philosophie, Politik mit ein und bildet in vielerlei Hinsicht die Basis f\u00fcr alles, was historisch in Mitteleuropa sp\u00e4ter kommt. Die Grundfragen, die aufgeworfen werden, sind auch heute noch aktuell.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Die Passion springt offenkundig auch auf die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler \u00fcber. Auf die Frage, ob man Latein als Schulfach an Kantonsschulen am Leben erhalten solle, kommt wie aus der Pistole geschossen ein lautstarkes \u00abUnbedingt!\u00bb. \u00abErstens ist es n\u00fctzlich und ziemlich cool, eine neue Sprache zu lernen, die fast niemand kann. Zweitens w\u00e4re es schlimm, wenn niemand mehr Latein k\u00f6nnte und sich beispielsweise mit neuen arch\u00e4ologischen Funden auseinandersetzen k\u00f6nnte. Und \u00fcberhaupt, Latein ist eine Bereicherung f\u00fcr die Seele\u00bb, schliesst Kilian (28Mz) sein Votum energisch ab. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Pioniere mit Gegenwarts-Relevanz<\/h2>\n\n\n\n<p>Mirjam D\u00f6pfert l\u00e4chelt und f\u00fcgt mit Nachdruck an, Latein sei weit mehr als eine einst gesprochene Sprache. \u00abHeute w\u00fcrde man sagen, man lernt mit Latein Soft Skills. Sprachverst\u00e4ndnis geh\u00f6rt etwa dazu, da dank der klaren Grammatik im Latein eine st\u00e4ndige Reflexion des sprachlichen Aufbaus erfolgt. Doch auch dieses starke Gef\u00fchl im Alten Rom, man m\u00fcsse sich als Individuum in die Geschichte einbringen und politische Verantwortung \u00fcbernehmen &#8211; zumindest traf das auf die M\u00e4nner zu &#8211; ist f\u00fcr heutige Demokratien unerl\u00e4sslich\u00bb, f\u00fchrt sie aus. Auch in Bezug auf den Umgang mit fremden Kulturen finde sich viel Hilfreiches in der Geschichte des R\u00f6mischen Reichs. \u00abSie haben es oft geschafft, eine klar definierte eigene Identit\u00e4t zu haben und dennoch andere Kulturen zu integrieren; gerade weil eine solide Basis bestand. Diese ist eine Grundlage f\u00fcr Innovation.\u00bb Mirjam D\u00f6pfert sieht die Alten R\u00f6mer und ihre Sprache also keinesfalls als veraltet oder gar tot, sondern als Pioniere mit, wie sie es ausdr\u00fcckt, Literatur die wie Netflix f\u00fcr Texte sei, \u00abein All-You-Can-Eat-Buffet\u00bb. <\/p>\n\n\n\n<p>An diesem werden sie und ihre Freikursklassen sich weiterhin g\u00fctlich tun. Wie es Cicero einst in <em>De Re Publica<\/em> schrieb: \u00abMihi vero omne tempus est ad meos libros vacuum; numquam enim sunt illi occupati.\u00bb Sinngem\u00e4ss: Ich habe stets alle Zeit f\u00fcr meine B\u00fccher, sie sind n\u00e4mlich nie besch\u00e4ftigt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Latinum als Voraussetzung f\u00fcr ein Studium existiert fast nirgends mehr. Das Schwerpunktfach Latein kommt vielerorts nicht mehr zustande. 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