{"id":4438,"date":"2025-05-16T08:09:58","date_gmt":"2025-05-16T08:09:58","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.ksk.ch\/?p=4438"},"modified":"2025-05-16T08:23:56","modified_gmt":"2025-05-16T08:23:56","slug":"mehr-als-ein-schlagwort-nachhaltigkeit-als-bildungsauftrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/2025\/05\/16\/mehr-als-ein-schlagwort-nachhaltigkeit-als-bildungsauftrag\/","title":{"rendered":"Mehr als ein Schlagwort: Nachhaltigkeit als Bildungsauftrag"},"content":{"rendered":"\n<p>Im letzten KSK-Dialog des Schuljahrs 2024\/25 gab Prof. Dr. Christina Colberg einen fundierten Einblick in laufende Projekte und die aktuelle Forschung zum Thema nachhaltige Entwicklung.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Michael Volkart<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Mit den KSK-Dialogen ist an unserer Schule seit diesem Schuljahr eine \u00f6ffentliche Vortragsreihe entstanden, in der Lehrpersonen und Dozierende des Campus Kreuzlingen \u00fcber aktuelle Fragen aus ihrem Fachgebiet referieren und in der Folge in den Dialog mit dem Publikum treten. Prof. Dr. Christina Colberg, Dozentin an der PHTG und der ETH Z\u00fcrich sowie Beir\u00e4tin der KSK, bildete mit ihrem Referat zum Thema \u00abNachhaltigkeit als Bildungsauftrag\u00bb den Abschluss der diesj\u00e4hrigen Reihe.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_4386-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4444\" srcset=\"https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_4386-683x1024.jpg 683w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_4386-200x300.jpg 200w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_4386-768x1152.jpg 768w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_4386-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_4386-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_4386-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"(max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Prof. Dr. Christina Colberg gab den Zuschauerinnen und Zuschauer einen praxisnahen Einblick in ihr Forschungsthema.  (Julia Heier)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Begriffe und Modelle sind bedeutsam<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Begriff \u00abNachhaltigkeit\u00bb ist heutzutage in aller Munde \u2013 ja, er wird geradezu inflation\u00e4r verwendet. Diese Beobachtung bildete den Ausgangspunkt f\u00fcr Christina Colbergs Vortrag und f\u00fchrte zu einer genaueren Begriffsbestimmung. Um einem eindimensionalen Verst\u00e4ndnis von Nachhaltigkeit vorzubeugen, sei es sinnvoller, in umfassenderer Weise von \u00abnachhaltiger Entwicklung\u00bb zu sprechen. Dies beinhaltet sodann nicht nur \u00f6kologische Herausforderungen wie die Klimaerw\u00e4rmung, sondern erweitert den Fokus auf soziale und wirtschaftliche Fragen der Gegenwart, seien dies Kriege oder eine gesellschaftliche wahrnehmbare zunehmende Individualisierung und Polarisierung. In der Schweiz ist die F\u00f6rderung nachhaltiger Entwicklung zudem als Staatszweck in der Bundesverfassung (Art. 2) verankert \u2013 mit bildungspolitischen Implikationen. Im Lehrplan 21 f\u00fcr die Volksschule wie auch im neuen Maturit\u00e4tsanerkennungsreglement der EDK f\u00fcr die Gymnasien nimmt nachhaltige Entwicklung als Bildungsziel eine zentrale Position ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus wissenschaftlicher Perspektive bietet es sich an, nachhaltige Entwicklung in Form von Modellen zu analysieren. Im klassischen Modell wird von den drei S\u00e4ulen \u00d6kologie, \u00d6konomie und Soziales gesprochen, die miteinander ausbalanciert werden m\u00fcssen. Das Modell erscheint auf den ersten Blick plausibel, da es aufzeigt, dass die drei S\u00e4ulen nicht gleichzeitig vollumf\u00e4nglich entwickelt werden k\u00f6nnen. Wenn ein Unternehmen oder ein Staat beispielsweise prim\u00e4r auf die wirtschaftliche Entwicklung setzt, geraten \u00f6kologische und soziale Anliegen ins Hintertreffen \u2013 und umgekehrt. Da das Verh\u00e4ltnis der drei S\u00e4ulen hier aber gleichwertig umschrieben wird, ergibt sich keine klare Aussage, worin nachhaltige Entwicklung tats\u00e4chlich besteht. Als Gegensatz dazu wurde darum das sogenannte Vorrang-Modell geschaffen, das die drei Dimensionen nachhaltiger Entwicklung priorisiert. Dieses Modell sieht die Wirtschaft als Teil der Gesellschaft und diese wiederum als Teil der Umwelt. Nachhaltige Entwicklung besteht demzufolge in der Sicherung sozialer Bed\u00fcrfnisse unter Einhaltung planetarer Grenzen. Verknappt l\u00e4sst sich dies in der Formel ausdr\u00fccken: Keine Wirtschaft ohne Gesellschaft, keine Gesellschaft ohne \u00d6kologie.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Gefahr einer Ideologisierung begegnen<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Diskussion um das richtige Modell ist keine rein akademische \u00dcbung, denn je nach Gewichtung der Nachhaltigkeitss\u00e4ulen ergeben sich unterschiedliche politische Schlussfolgerungen. Nachhaltige Entwicklung kann vor diesem Hintergrund \u2013 gerade an Schulen \u2013 schnell als ideologisch motiviertes Thema interpretiert werden, was gem\u00e4ss Christina Colberg aber nicht gerechtfertigt ist, da auch das priorisierende Vorrang-Modell letztlich deskriptiven Charakter habe. Um dem Vorurteil zu begegnen, dass nachhaltige Entwicklung Teil einer politisierten Gesinnungsbildung sei, nahm Colberg dabei auch Lehrpersonen in die Pflicht. Einerseits m\u00fcsse es darum gehen, dass diese ihren eigenen Standpunkt reflektierten und davon bestm\u00f6glich abstrahierten, andererseits biete es sich an, von Bildung \u00abin\u00bb oder \u00ab\u00fcber\u00bb, statt von Bildung \u00abf\u00fcr\u00bb nachhaltige Entwicklung zu sprechen. Eine neutrale Wertehaltung zeige sich schliesslich auch im konkreten Unterrichtsgeschehen. Es sei gerade beim Thema nachhaltige Entwicklung wichtig, keine Antworten vorzugeben, sondern durch eine fragende Haltung ein offenes Klima f\u00fcr manchmal auch konfligierende Aussagen zu schaffen. Das f\u00f6rdere und fordere zugleich Resilienz gegen\u00fcber einem \u00fcberm\u00e4ssigen Gewissheitsbed\u00fcrfnis, das es zu reduzieren gelte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ziele f\u00fcr die Zukunft<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Im zweiten Teil ihres Vortrags gab Christina Colberg anhand von Beispielen einen Einblick, wo und wie das Thema nachhaltige Entwicklung in Schweizer Bildungsinstitutionen bereits stattfindet. Besonders wirksam sind nach Colberg Projekte, in denen Theorie und Praxis verbunden werden. Das kann bereits auf Primarschulstufe beginnen, beispielsweise beim Einbezug von Kindern in den Bauprozess eines neuen Spielplatzes, und zieht sich durch bis zu den Universit\u00e4ten. Ein eindr\u00fcckliches Projekt in diesem Bereich ist der Bau von Eis-Stupas nach indischem Vorbild im Engadin durch den ETH-Glaziologen Felix Keller. Die Technologie, die im indischen Hochland zur Speicherung von Wasser dient, k\u00f6nnte langfristig auch genutzt werden, um die durch die Klimaerw\u00e4rmung erfolgende Gletscherschmelze zu verhindern oder zumindest zu bremsen. Eine wichtige Entwicklung zur Verbindung von Theorie und Praxis ist auch das sogenannte Service Learning, bei dem gesellschaftliches Engagement mit Lerninhalten verkn\u00fcpft wird. Das Mentoringprogramm DreamTeam, das die KSK als Freikurs anbietet, ist ein Beispiel daf\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit nachhaltige Entwicklung selbst eine nachhaltige Wirkung entfalten kann, muss sie gem\u00e4ss Colberg zudem zu einem integralen Bestandteil der Schulkultur werden. Schulen m\u00fcssen nachhaltige Entwicklung nicht nur \u00fcber alle F\u00e4cher hinweg lehren, sondern auch als Teil der eigenen Praxis verstehen und leben. Schulen m\u00fcssen sich als Ideenlabore verstehen und vernetzen \u2013 die KSK tut dies beispielsweise als Teil des Netzwerks UNESCO-assoziierter Schulen \u2013 und k\u00f6nnen dadurch ihre Funktion als Multiplikatoren neuer Ideen in der Gesellschaft entfalten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_4401-2-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4447\" srcset=\"https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_4401-2-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_4401-2-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_4401-2-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_4401-2-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/IMG_4401-2-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Im Anschluss an das Referat fand ein Dialog mit dem Publikum statt. (Julia Heier)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die KSK-Dialoge gehen weiter. Am 2. September 2025 um 18:30 Uhr er\u00f6ffnet Dr. Sibylle Engeler, KSK-Lehrerin f\u00fcr Biologie und Chemie, die zweite Vortragsreihe mit einem Referat zum Thema Gentechnik. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im letzten KSK-Dialog des Schuljahrs 2024\/25 gab Prof. Dr. Christina Colberg einen fundierten Einblick in laufende Projekte und die aktuelle Forschung zum Thema nachhaltige Entwicklung.&hellip;<\/p>\n<p> <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/2025\/05\/16\/mehr-als-ein-schlagwort-nachhaltigkeit-als-bildungsauftrag\/\">Read more<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":41,"featured_media":4449,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":{"0":"post-4438","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-allgemein"},"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-04-18 13:24:36","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4438","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/41"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4438"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4438\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4619,"href":"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4438\/revisions\/4619"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4449"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4438"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4438"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4438"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}