{"id":4788,"date":"2026-05-27T19:23:41","date_gmt":"2026-05-27T19:23:41","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.ksk.ch\/?p=4788"},"modified":"2026-05-28T10:43:01","modified_gmt":"2026-05-28T10:43:01","slug":"einmal-kulturreise-nach-russland-bitte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.ksk.ch\/index.php\/2026\/05\/27\/einmal-kulturreise-nach-russland-bitte\/","title":{"rendered":"Einmal Kulturreise nach Russland, bitte!"},"content":{"rendered":"\n<p>Am letzten Anlass dieses Schuljahres im Rahmen der \u00f6ffentlichen Vortragsreihe \u00abKSK-Dialoge\u00bb referierte Dr. phil. Anna Kisters \u00fcber die Sowjetunion. Die Russisch- und Franz\u00f6sischlehrerin, unterst\u00fctzt von ihren Schwerpunktfachklassen, nahm das zahlreiche Publikum mit auf eine bildgewaltige Reise durch die Geschichte Russlands und der fr\u00fchen Sowjetunion.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Corina Tobler<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Wie erz\u00e4hlt man Geschichte? In Form von Presseberichten und Sachb\u00fcchern? Vielleicht. Doch es gibt auch andere M\u00f6glichkeiten: Die Kunst, die Literatur und die Sprache einer Gesellschaft transportieren ebenso Botschaften. Genau auf diese Botschaften fokussiert Anna Kisters in ihrem KSK-Dialog zum Thema \u00abZwischen Wirklichkeit und Ablehnung: Die Poesie der Bilder im Kino der Sowjetunion\u00bb. Neben einem breiten Spektrum von Werken aller m\u00f6glicher Gattungen nutzt Kisters, die im Kanton Thurgau das Schwerpunktfach Russisch aufgebaut hat, vor allem Filme, um dem Publikum einen Blick von innen auf Russland und die fr\u00fche Sowjetunion von 1900 bis in die 1940er-Jahre zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Weg zur Revolution<\/h2>\n\n\n\n<p>Wer im Jahr 1900 eine Reise antritt, unternimmt dies oftmals mit dem Zug. Sinnbildlich daf\u00fcr, wie das 20. Jahrhundert das Ende der Romanov-Dynastie einleitet, blendet Anna Kisters das Faberg\u00e9-Ei samt Modell der Transsibirischen Eisenbahn ein, das Zar Nikolaus II. seiner Gemahlin 1900 zu Ostern schenkte. W\u00e4hrend Z\u00fcge f\u00fcr Fortschritt oder wirtschaftliche Entwicklung stehen, k\u00f6nnen sie auch mit dem Tod (wie in Tolstois Meisterwerk <em>Anna Karenina<\/em>), Revolution oder den Weltkriegen in Verbindung gebracht werden. Auf all diese Themen kommt Anna Kisters, mal auf Deutsch, mal auf Russisch, zu sprechen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG_7266-1-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4794\" srcset=\"https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG_7266-1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG_7266-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG_7266-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG_7266-1-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG_7266-1-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Dr. phil. Anna Kisters wechselt zwischen der russischen und deutschen Sprache spielerisch hin und her. (Julia Heier)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Den Weg zu den drei Revolutionen in Russland (1905, Februar und Oktober 1917) und in die Zeit Lenins zeigt Anna Kisters mit Ausschnitten aus Filmen aus. Eine zentrale Rolle spielt Sergej Eisensteins Stummfilm <em>Panzerkreuzer Potemkin<\/em> (1925). Mittels verschiedener Ausschnitte zeigt die Referentin auf, wie die Obrigkeiten, die ihre Matrosen mit Fleisch voller Maden abspeisen und bei Aufm\u00fcpfigkeit mit dem Tod bedrohen, ihr s\u00fcffisantes L\u00e4cheln verlieren. Erst lehnt sich ein Mann, dann die Besatzung und letztlich auch die Bev\u00f6lkerung gegen sie auf. Die Meuterei auf der Potemkin ist eines mehrerer Ereignisse im Revolutionsjahr 1905, das mit dem Blutsonntag begann.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Februarrevolution l\u00e4sst Anna Kisters in Form des Finales von Sergej Prokofievs 3. Klavierkonzert geschehen, eines Werks, das zur Zeit der Revolution entstand. \u00abMan h\u00f6rt die Unruhe, die auf der Strasse herrschte und in die auch der Komponist sich freiwillig begab; und zum Gl\u00fcck \u00fcberlebte\u00bb, so Kisters. In den auf die Februarrevolution folgenden Monaten unter der \u00dcbergangsregierung von Kerenski (wie Lenin in Simbirsk aufgewachsen und zur Schule gegangen) sei Russland wohl das freiste Land der Welt gewesen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Pr\u00e4gende Kriegszeit<\/h2>\n\n\n\n<p>Wer nun auf Lenin wartet, muss erst den Zug von Z\u00fcrich nach Sankt Petersburg, damals Petrograd nehmen, wo dann die Oktoberrevolution geschieht. Die Namens\u00e4nderung erfolgte zugunsten einer klaren Abgrenzung von Deutschland im Ersten Weltkrieg und galt bis 1924, als die Stadt in Leningrad umbenannt wurde (bis 1991). Lenin und die Bolschewiki kamen mit Gewalt und starken Slogans an die Macht, l\u00f6sten aber auch einen B\u00fcrgerkrieg aus und schr\u00e4nkten die Freiheit des Volkes massiv ein. So erstaunt es nicht, dass die Filmausschnitte aus dieser Zeit sowohl Trauer als auch Freude \u00fcber Lenins Tod 1924 nahelegen. \u00abEbenfalls zentral war zu dieser Zeit, dass Lenin instruierende, gute Filme w\u00fcnschte. Folglich entstanden Dokumentationen, die teilweise auch Propaganda enthielten\u00bb, erl\u00e4utert Anna Kisters und zeigt etwa Ausschnitte aus <em>Kino-Glaz<\/em> (1924) von Dziga Vertov.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG_7278-2-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4797\" srcset=\"https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG_7278-2-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG_7278-2-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG_7278-2-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG_7278-2-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/blog.ksk.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/IMG_7278-2-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Filmplakate und -ausschnitte gew\u00e4hren dem Publikum einen Blick auf Russland und die fr\u00fche Sowjetunion von 1900 bis in die 1940er-Jahre. (Julia Heier)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Auf Lenin folgten Konkurrenzkampf und Repression unter Stalin und der Zweite Weltkrieg mit 27 Millionen Gefallenen auf Seiten der Sowjetunion. \u00abDas Trauma und die Geisseln dieses Krieges pr\u00e4gen Russlands Gesellschaft bis heute\u00bb, sagt Anna Kisters. Daf\u00fcr und f\u00fcr alle genannten Ereignisse stellvertretend blendet sie Szenen aus dem 30-min\u00fctigen Animationsfilm <a href=\"https:\/\/vimeo.com\/413289200\">M\u00e4rchen der M\u00e4rchen<\/a> (1979) von Juri Norstein ein. Der Zug darin nimmt das Publikum dieses Mal an die Kriegsfront mit, weg vom heilen Alltag, hin zu zerrissenen Familien. Der kleine Wolf aus dem ber\u00fchmten russischen Wiegenlied, der Protagonist des Filmes und repr\u00e4sentativ f\u00fcr das Land, schaut das alles mit an.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wunsch nach mehr Dialog<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Vortrag, in den Anna Kisters auch Gedichtrezitale ihrer Schwerpunktfachklassen und Erinnerungen an ihre eigenen Russlandreisen einbaut, regt zum Nachdenken an. \u00dcber den russischen Ausspruch \u00abNichts ist so unvorhersehbar wie die Vergangenheit.\u00bb \u00dcber unsere Gedanken zu Russland damals und heute. \u00dcber die aktuelle Situation. Ihr Ziel, das macht Anna Kisters glasklar, sei stets ein Dialog. Statt Ablehnung zu zeigen, solle man den Austausch suchen, verschiedene Quellen konsultieren (vielleicht einmal andere Zeitungen lesen) und gegenseitiges Verst\u00e4ndnis f\u00f6rdern. Dann \u2013 so der Wunsch nicht nur der Russischlehrerin, sondern auch vieler im Publikum \u2013 w\u00e4ren auch Reisen mit Schwerpunktfachklassen nach Russland wieder m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n\n\n<p>Die KSK-Dialoge finden auch im Schuljahr 2026\/27 statt. Am 08.09.. referiert Sport- und Geschichtslehrer Benjamin Redder zum Thema \u00abFitnesstraining \u2013 moderner Ablasshandel oder Weg zur Longevity?\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am letzten Anlass dieses Schuljahres im Rahmen der \u00f6ffentlichen Vortragsreihe \u00abKSK-Dialoge\u00bb referierte Dr. phil. Anna Kisters \u00fcber die Sowjetunion. 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