Unternehmerisches Denken und projektbasiertes Arbeiten sind längst zu Schlüsselkompetenzen geworden – nicht nur im wirtschaftlichen Kontext, sondern in nahezu jedem Lebensbereich.
Florian Krämer
Mit dem neu lancierten Freikurs Entrepreneurship@KSK bietet die Kantonsschule Kreuzlingen ihren Schülerinnen und Schülern die seltene Gelegenheit, Themen rund um das Unternehmertum nicht nur theoretisch zu lernen, sondern ein ganzes Schuljahr lang praktisch zu erleben. In enger Zusammenarbeit mit Young Enterprise Switzerland (YES) gründen die Teilnehmenden im Rahmen des internationalen Competition Programmes ein eigenes Mini-Unternehmen – von der ersten Idee bis zum Verkaufsstand an der Nationalen Handelsmesse in Zürich.
Von der Idee zum Unternehmen – ein Schuljahr voller Praxis
Schon in den Sommerferien beginnt für die jungen Gründerinnen und Gründer die spannende Phase der Teambildung und des Gründungsprozesses. Der gemeinsame Kick-Off durch die Programme Managerin von YES markiert den offiziellen Startschuss für das unternehmerische Abenteuer. In der anschliessenden Ideation-Phase analysieren die Teams Markt und Konkurrenz, arbeiten mit den bereitgestellten Theorieheften und formulieren ihr erstes Management Summary. Dieser frühe Meilenstein fordert nicht nur Kreativität, sondern auch strukturiertes Denken – Fähigkeiten, die weit über den Freikurs hinausreichen.
Ein erstes echtes Highlight folgt dann mit der Investorensuche: An der diesjährigen Eröffnungsveranstaltung in der Werkaula der Kanti Kreuzlingen stellten die Teams ihre Geschäftsideen vor einem grossen Publikum aus Eltern, Verwandten und Freunden vor. Die beiden diesjährigen Teams Greenswing und Trackable lieferten beeindruckend professionelle Pitches ab – und sammelten erfolgreich Startkapital durch den Verkauf von Partizipationsscheinen ein. Für die Teams war dies der Moment, in dem sich die eigene Geschäftsidee zum ersten Mal „real“ anfühlte.

Lernen, wo es zählt: in der Realität
Mit fortschreitendem Herbstsemester beginnt die Phase der Produktion von Prototypen und Zusammenarbeit mit externen Partnern. Begleitende Workshops zu unternehmerischen Grundlagen und zum geistigen Eigentum helfen den Schüler:innen, ihr Wissen gezielt in die Praxis zu übertragen.
Der diesjährige Workshop wurde von Matthias Käch geleitet, Senior IP-Experte vom Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum.
Um den Jahreswechsel herum entsteht der Business Plan – eine umfassende Auseinandersetzung mit Strategie, Finanzen, Marktpositionierung und operativer Umsetzung. Diese Arbeitsphase vermittelt unternehmerische Kernkompetenzen wie:
- Kreative und innovative Problemlösungen
- Professionelles Schreiben von Geschäftsunterlagen
- Vernetztes Denken
- Ausdauer und Verantwortungsbewusstsein
- Fundierte Kenntnisse in Wirtschaft & Recht
Gleichzeitig entwickeln die Jugendlichen wichtige soziale Fähigkeiten, darunter Teamarbeit, Konfliktlösung, Führungsverantwortung, selbstbewusstes Auftreten und professionelles Verhandeln. Kurz gesagt: Die Teilnehmenden lernen Unternehmertum dort, wo es am besten funktioniert – in echter Verantwortung.

YES als starker Partner
Die Kooperation mit YES stellt sicher, dass der Freikurs höchsten qualitativen Standards entspricht. YES übernimmt die Bereitstellung sämtlicher Schulungsmaterialien, die Organisation der zentralen Events und die Betreuung im nationalen Wettbewerb. Workshops zu Unternehmensführung, Standdesign oder geistigem Eigentum ermöglichen den Lernenden Einblicke, wie sie sonst nur in der realen Startup-Welt zu finden sind.
Florian Krämer, Lehrperson für Wirtschaft und Recht an der KSK, begleitet die Teams dabei über ein ganzes Schuljahr als Coach. Dazu gehört die Unterstützung beim Zeitmanagement, das Gegenlesen von Dokumenten, die Moderation von Teamkonflikten oder auch die Vorbereitung und Begleitung der Schüler:innen an Events – ohne ihnen jedoch die unternehmerische Verantwortung aus der Hand zu nehmen. Die Unternehmen bleiben stets vollständig in Schülerhand.
Der Weg auf die grosse Bühne
Im Frühjahr beginnt die Verkaufsphase – der Moment, in dem sich zeigt, ob Geschäftsmodell und Produkt überzeugen. Bis zu 75 Mini-Unternehmen aus der Schweiz treten jährlich zur Nationalen Handelsmesse am Zürcher Hauptbahnhof an. Für die ausgewählten KSK-Teams bedeutet das: Bühnenpräsentation, Kundenkontakt, Experteninterviews und echte Marktfeedbacks.
Die besten 25 Teams qualifizieren sich für das europäische Finale in Wien – ein Meilenstein, der zeigt, wie weit man mit einer guten Idee, Engagement und Teamgeist kommen kann.
Mehrwert, der bleibt – weit über das Schuljahr hinaus
Das Programm bietet Zugang zu renommierten Partner Awards, darunter Preise von UBS, Swiss Prime Site, Coop, Accenture oder dem Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum. Am Ende erhalten die Teilnehmenden nicht nur eine offizielle Zertifizierung, sondern ein wertvolles Prädikat für professionelles Projektmanagement – ein starkes Argument für jede Bewerbung oder den späteren Studien- und Karriereweg. Und wer sich weiter vertiefen möchte, findet im Freikurs zahlreiche Anknüpfungspunkte für eine Maturitätsarbeit mit unternehmerischem Fokus. Alles in allem ist dieses Jahr für die Schülerinnen und Schüler mit erster echter unternehmerischer Verantwortung verbunden und damit zwar anspruchsvoll, aber auch sehr lehrreich.

