Nachdem alle Maturandinnen und Maturanden die Prüfungen erfolgreich absolvierten, gibt es jede Menge Gründe zu feiern, optimistisch in die Zukunft zu blicken, und – wie es die Gefeierten gleich selbst demonstrieren – das Tanzbein zu schwingen. Ein Einblick in die diesjährige Maturitätsfeier.

Corina Tobler
Wie hoch ist heute die Lebenserwartung eines Neugeborenen? 50 oder 70 Jahre? Welcher Anteil der Weltbevölkerung hat Zugang zu Elektrizität? 50 oder 80 Prozent? Und: Wieviele abgeschlossene Schuljahre hat eine heute 30-jährige Frau durchschnittlich absolviert? 6 oder 9? Mit diesen Fragen eröffnet Rektor Marcello Indino die Maturitätsfeier im «Dreispitz». Er thematisiert die Ergebnisse einer Langzeitstudie, die von der Stiftung Gapminder zu genau solchen Fragen durchgeführt wird.
«Die Resultate sind überall auf der Welt dieselben: Die Lebensbedingungen werden zu pessimistisch eingeschätzt», sagt Indino. Hans Rosling, der Stiftungsgründer, und sein Team konnten nachweisen, dass beim Nachdenken über die Welt Instinkte aktiviert werden, die eine negative Einschätzung begünstigen (etwa Angst oder Schuldzuweisungen). Der Ausweg aus der Negativspirale sei Factfulness, also die Idee, sich nicht nur von Emotionen leiten zu lassen, sondern auch von Fakten. Faktenwissen führe zu Optimismus, zeigt sich der Rektor überzeugt. Wieso?

«Ihretwegen, liebe Maturandinnen und Maturanden. Sie haben in den vergangenen Jahren ein stabiles Fundament für nachhaltiges Lernen gelegt, indem sie sowohl Allgemeinwissen als auch überfachliche Kompetenzen erworben haben. Sie wissen, wie man im Problemfall Lösungen suchen und finden kann», sagt Indino. Dies sei zentral, weil sich Optimisten von Pessimisten laut Zukunftsforscherin Florence Gaub darin unterschieden, dass Optimisten länger nach Lösungen suchten. «Pessimisten geben auf. Sie aber halten den roten Faden der Bildung in ihrer Hand. Das andere Ende ist bei den Menschen hinter Ihnen. Sorgen Sie dafür, dass der Faden nie an Spannkraft verliert und sie werden für uns alle ein Grund für Optimismus sein», gibt Indino dem Jahrgang auf den Weg.
Vier Arbeiten prämiert
Nach einem musikalischen Intermezzo durch die Kantiband, die an diesem Abend ebenso überzeugt wie Salome Kim sowie Ray Eccleston und Mateo Sauter am Klavier, lenkt Prorektor Daniel Hurtado vor dem Höhepunkt der Feier – der Übergabe der Maturitätszeugnisse – das Augenmerk auf einzelne Abgängerinnen und Abgänger, die für besondere Leistungen ausgezeichnet werden. Im Namen der Emil-Halter-Stiftung für Jugendförderung im Thurgau prämiert er vier Maturitätsarbeiten, die der Beirat der Kantonsschule Kreuzlingen als Jury als besonders hochstehend und gesellschaftlich relevant im Zusammenhang mit den Unesco-Zielen für nachhaltige Entwicklung erachtet. Die Preise gehen an Tobias Brack (26Ma), Mirjam Ebinger, Ladina Faas (beide 26Mc) und Nils von Kampen (26Mz).

Das Spektrum der in den Arbeiten behandelten Themen ist gross. Tobias Brack beschäftigte sich, betreut von Annika Jäger, mit der Suche nach Lösungen des Problems antibiotikaresistenter Bakterien. Er hat erfolgreich Bakteriophagen für diesen Zweck isoliert und deren Wirksamkeit nachgewiesen. Mirjam Ebingers Arbeit, betreut von Corina Tobler, thematisiert Zwangsstörungen und fördert Verständnis und Sensibilität gegenüber Betroffenen, indem Mirjam in ihrem selbst verfassten Roman ihre Forschungsergebnisse kreativ umsetzte. Ladina Faas schuf einen Kurzfilm über Konversionstherapie, betreut von Carina Lukosch. Sie beleuchtet die historischen Ursprünge und rechtlichen Rahmenbedingungen dieser Praxis und rückt dank ihres eindrücklichen Films dieses wichtige Thema wieder in den Fokus. Nils von Kampen, betreut von Anna Kisters und Beat Trachsler, entwickelte eine KI-basierte App zur Unterstützten Kommunikation für Menschen mit sprachlicher Beeinträchtigung. Die innovative App führt die gesprochene Sprache in leicht verständliche Piktogramme über und die Arbeit vertritt ein wichtiges soziales Anliegen.
Topresultat von 5,96
Weitere Auszeichnungen vergibt Daniel Hurtado für grossen Einsatz zugunsten der Schule, einerseits an Salome Berten (26Mz) und Efe Tolukan (26Ma) für ihre Mitarbeit im Präsidium der Schülerinnen- und Schülerorganisation, andererseits an Dana Kirstein, Yara Lüdin, Lisa Schamberger und Julia Then für jahrelange Arbeit an KSKuarterly.
Als Hurtado dann zu den Spitzenleistungen in den Maturitätszeugnissen übergeht, wird der Applaus noch lauter. 14 Schülerinnen und Schüler erreichten einen Notenschnitt von 5,3 und höher, der zur Aufnahme in die Schweizerische Studienstiftung berechtigt. Das Topresultat des Jahres erzielte Mirjam Ebinger mit einem Schnitt von sage und schreibe 5,96.
Emotionale Rede
Bejubelt wird im Anschluss auch Joah Huber (26Mc), der die Maturarede hält. Seine Mischung aus humorvollen Anekdoten, Wortwitz und aufrichtiger Dankbarkeit gegegenüber dem Jahrgang und der ganzen Schulgemeinschaft lässt nicht nur den Redner selbst emotional werden. Die Emotionen sind dann bei allen Maturandinnen und Maturanden bei der Zeugnisvergabe und beim letzten Song der Kantiband spürbar. Es hält niemanden mehr auf den Stühlen.

Es ist der perfekte Aufbau hin zum Schlusspunkt: Im Geheimen hat ein Grossteil des Abschlussjahrgangs einen Discofox zum Bee-Gees-Song «You Should Be Dancing» einstudiert, der schwungvoll aufs Parkett gelegt wird. Ein würdiger Abschluss, geprägt von Freude, Gemeinschaft und eben, Optimismus.


