Was verändern wir, was bewahren wir? Diese Fragen stellen sich nicht nur bei der Gestaltung unserer Schulräume, sondern auch im Umgang mit neuen Technologien. Während wir den Innenhof begrünen und damit neue Räume für Mensch und Natur schaffen, beschäftigen wir uns zugleich mit den Veränderungen, die künstliche Intelligenz und digitale Medien in Schule und Gesellschaft mit sich bringen. Nachhaltige Entwicklung bedeutet deshalb auch, bewusst zu entscheiden, was wir weiterentwickeln – und welche Fähigkeiten, Gewohnheiten und Werte wir dabei bewahren wollen.
Marcello Indino
Unsere Schulgemeinschaft wächst stetig – allerdings wachsen unsere Schulgebäude nicht im gleichen Tempo mit. Dennoch verändert sich die Kantonsschule Kreuzlingen laufend. Die Sanierung der Fassade des Neubaus, der vor mehr als einem Vierteljahrhundert der Schulgemeinschaft übergeben wurde, soll noch vor den Herbstferien abgeschlossen sein. Auch der Baukran und Teile der Bauzäune, die den Innenhof während mehr als eines Jahres geprägt haben, sind inzwischen verschwunden.

Nach den Herbstferien wird der Innenhof gemeinsam mit der Terrasse neben dem Geografiezimmer im Rahmen eines kantonalen Biodiversitätsprojekts begrünt. Ab dem kommenden Frühling entstehen dadurch also endlich zusätzliche Schattenplätze, so dass das Klima in Teilen der Klassenzimmer des Neubaus positiv beeinflusst sein dürfte. Zu einem späteren Zeitpunkt soll auch der Belag rund um den Baumbestand an der Pestalozzistrasse naturgerechter gestaltet werden, was diesem genug Platz zum Atmen – und Weiterleben – geben wird.
Nachhaltige Entwicklung zeigt sich an unserer Schule jedoch nicht nur in der Gestaltung unserer Umgebung. Als UNESCO-assoziierte Schule verstehen wir Nachhaltigkeit umfassend, denn dazu gehören ökologische, soziale und ökonomische Aspekte. Und damit auch die Frage, wie wir in Zukunft mit Technologie und deren Einfluss auf die eigenen Denk- und Arbeitsgewohnheiten umgehen sollen. Konkret angesprochen ist die schwindelerregende Entwicklung künstlicher Intelligenz.
Digitale Technologien eröffnen unseren Schülerinnen und Schülern enorme Möglichkeiten, bergen aber auch die Gefahr, dass wir uns in einer schier unendlichen digitalen Welt verlieren. Künstliche Intelligenz kann zwar repetitive Aufgaben übernehmen und uns damit Freiraum für Tätigkeiten schenken, die Reflexion, Kreativität und menschliches Urteilsvermögen erfordern. Gleichzeitig müssen wir darauf achten, dass gerade jene Kompetenzen nicht verschwinden, die in Zukunft besonders gefragt sein werden.
Deshalb haben wir in unserem Leitbild das Themenpaar Kritisches Denken und Künstliche Intelligenz gebildet und im Sinne einer zusätzlichen Leitbildlinie besonders hervorgehoben. Denn was wir vermeiden möchten, ist, dass digitale Technologien, auf der einen Seite, grundsätzlich abgelehnt oder auf der anderen Seite unkritisch übernommen werden. Vielmehr soll ein bewusster und verantwortungsvoller Umgang mit ihnen entwickelt werden. Das gilt selbstverständlich auch für die Nutzung von Smartphones und der vermeintlich sozialen Umgebung, die man damit ständig mit sich trägt.
Aktuell beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe mit der Frage, ob und wie die Schule stärker regulierend eingreifen soll. Dabei stehen sich vereinfacht zwei pädagogische Ansätze gegenüber: Der eine setzt auf Selbstverantwortung und möchte Jugendliche dabei unterstützen, aus eigener Erfahrung einen reflektierten Umgang mit digitalen Medien zu entwickeln. Der andere betont die Notwendigkeit von proaktivem und altersgerechtem Schutz vor den negativen Auswirkungen einer zunehmend digitalen Lebenswelt. Welche Richtung die Kantonsschule Kreuzlingen letztlich einschlagen wird, ist noch offen. Erste Vorschläge wurden dem Konvent und der Schülerschaft vorgestellt und werden nun diskutiert. Damit schliesst sich der Kreis zur baulichen Entwicklung unserer Schule: Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur, unsere gebaute Umgebung zukunftsfähig zu gestalten. Sie bedeutet ebenso, junge Menschen dazu zu befähigen, ihre Zukunft mit und in der digitalen Umgebung kritisch, selbstwirksam und verantwortungsvoll mitzugestalten. Auch deshalb führen wir neben den bereits etablierten Aktionswochen zum Kritischen Denken im kommenden Frühlingssemester erstmals eine Aktionswoche zum Thema Nachhaltigkeit durch.

