Aus Steinwüste wird Insekten-Paradies

Aus Steinwüste wird Insekten-Paradies

Pünktlich zum Frühlingsanfang wurde die AG Klima im Innenhof tätig. Der ungenutzte Steingarten vor dem A-Gebäude ist einer mehrteiligen Fläche gewichen, die unzähligen Insekten, Molchen und vielleicht bald Eidechsen Lebensraum bietet. Zudem steht neu ein Wildbienenhotel in der zentralen Ruderalfläche.

Aus zwei Mulden wird Sand und Aushubmaterial in die Bodennist-Bereiche gebracht. (Corina Tobler)

Corina Tobler

Schaufeln, Schleppen, Schubkarren stossen: So eine Aktion zur Förderung der Biodiversität ist harte Arbeit. Tonnenweise Material gilt es an diesem Montag und Dienstag zu transportieren. Da ist zum einen der Bau von Steinmauern, die den neuen Lebensraum umrahmen und unterteilen. Dieser nimmt Stunden in Anspruch. Annika Fischer versucht mit Biochemie-Lehrerin Sibylle Engeler geduldig, aus den Gneis- und Sandsteinbrocken sowie dem Schiefer des bislang ungenutzten Steingartens eine stabile Mauer zu formen, während Aaron Gonzalez de la Cruz und Simone Petracca die Steine zu ihnen schleppen. «Es ist ein bisschen wie Tetris oder Lego spielen – mit schlecht passenden und teils sehr schweren Teilen», meint Annika, während sie eine Lücke schliesst. Die Steinmauern werden diversen Lebewesen Platz bieten, vor allem Ameisen, Spinnen und hoffentlich dereinst Eidechsen. Eine Maus lebt bereits in der Steinmauer.

Stabilität suchen: Der Bau der letzten Steinmauern ist herausfordernd. (Corina Tobler)

Zehn Kubikmeter für Bodennister

«Die Post ist unterwegs, Lieferung kommt!» Mit Anlauf und stets einem lockeren Spruch nimmt Andrin Gessler die Rampe über die Steinmauer mit voller Schubkarre in Angriff, während Rudolf Ernst und Sevrin Brüllmann unermüdlich Sand von der Mulde in die Karren schaufeln. Sieben Kubikmeter Sand und drei Kubikmeter Aushubmaterial müssen aus zwei Baumulden transportiert und in den neu geschaffenen Hohlräumen zwischen den Steinmauern vermischt und verdichtet werden. Diese sandigen Flächen sind ideale Nistplätze für sogenannte Bodennister und weitere Tiere. Dazu gehören vor allem bodennistende Bienenarten (z.B. Seidenbiene) aber auch Grabwespen, Wildwespen (beide werden oft gar nicht als Wespen erkannt und sind komplett ungefährlich), Ameisenlöwen, Heuschrecken und diverse Fliegenarten. Weitere Lebensräume sind zwischen den von Steinmauern umrahmten Sandflächen zu finden. «In den nächsten Tagen und Wochen säen wir bereichsweise noch anspruchslose Pflanzen an. Im Bereich nahe des Eingangs pflanzen wir zum Beispiel Sträucher als Nahrungsgrundlage für die Bodenbewohner», erklärt Biochemie-Lehrerin Annika Jäger. Unter den Flächen überwinterten bereits Molche, die hier somit auch ein Habitat finden.

Sevrin und Rudolf schaufeln fleissig Aushubmaterial aus der Mulde. (Corina Tobler)

Kleine Tierchen, grosse Wirkung

Für die intensive Arbeit, für die in den vergangenen Wochen diverse Vorbereitungen in- und ausserhalb des Unterrichts erledigt wurden, opfern Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen aus der AG Klima mit weiteren Freiwilligen ihre unterrichtsfreien Tage während der mündlichen Aufnahmeprüfungen – und nehmen eine grosse Portion Muskelkater in Kauf. Mit von der Partie ist auch Experte Dr. Felix Fornoff, der an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg in der Professur für Naturschutz und Landschaftsökologie tätig ist. Er hat bei der Planung des Projekts mitgeholfen und streicht heraus, weshalb der Einsatz für die Insekten wichtig ist. «Diese Aktion ist sehr wertvoll. Im Bereich des Steingartens liegt der einzige Bodenbereich im Innenhof der KSK, der locker genug für bodennistende Insekten ist. Diese wiederum sollten wir unbedingt fördern, da sie zahlreich sind und enorm zur Biodiversität beitragen», so Fornoff. Grund dafür ist, dass Insekten eine wichtige Basis in der Nahrungskette für weitere Arten sind, etwa andere Insekten, Amphibien oder Vögel.

Lynn und Martina beim Befüllen des Wildbienenhotels auf der Ruderalfläche. (Corina Tobler)

Gerade im Frühling sind Insekten noch aus einem zweiten Grund zentral für den Erhalt der Biodiversität: Ihre Bestäubungsleistung trägt zur Fortpflanzung der Flora bei. Dies kann neu auch von der zentralen Ruderalfläche im Innenhof aus geschehen. Dort wird das Wildbienenhotel montiert und befüllt, dessen Rahmen Schüler zusammen mit Jerome Roser, Leiter Hausdienst, in den vergangenen Wochen gebaut haben. Lynn Nüesch, Martina Bittner und Vivienne Rose verarbeiten geduldig und gut gelaunt Schilfrohre und verschiedene Hölzer, die in den Kästen den Wildbienen als Nistplätze dienen werden. Das Hotel ist so konzipiert, dass Neugierige sich in dessen Mitte stellen können. Ist das nicht gefährlich? «Kein bisschen! Jegliche Angst ist unbegründet, denn Wildbienen stechen nicht, genau wie die Bodennister», sagt Felix Fornoff. Er selbst sei trotz jahrelanger Feldarbeit mit Insekten noch kein einziges Mal gestochen worden. Die ersten geflügelten Besucher, die das neue Angebot auskundschaften, bestätigen dies jedenfalls. Also: Sobald künftig im Frühling während einem bis zwei Monaten die Wildbienen fliegen, heisst es: Freiwillige vor!

Das neue, nachhaltige Bodennister-Paradies. Begrünung in einzelnen Zonen folgt. (Corina Tobler)

Mensa-Angebot wird vegetarischer

Auf viele Freiwillige hofft die AG Klima übrigens auch in der Mensa. Bereits seit einigen Wochen gibt es nämlich dort einmal pro Woche einen Vegitag – dieser wurde auf Initiative der AG und von Rektor Marcello Indino in Zusammenarbeit mit der Campus-Mensa eingeführt. Statt eines Fleisch- und eines vegetarischen Menüs gibt es einmal pro Woche zwei vegetarische Menüs, die Hungrige sättigen. Mit einem reduzierten Fleischkonsum lassen sich CO2-Emissionen merklich verringern. «Es wäre toll, wenn viele Schülerinnen und Schüler auch am Vegitag in der Mensa essen würden – und vielleicht generell das eine oder andere Mal auf Fleisch verzichten», sagen Louisa Strauss und Clara Eigenberger, die am Dienstag Informationsplakate an die Wand im Foyer A-B hängen. Die neu gestaltete Wand – die Banksy-Figur haben vor einem Jahr auch Mitglieder der AG Klima erstellt – weist in den kommenden Wochen auf den Vegitag und die Vorteile eines reduzierten Fleischkonsums hin.

Die Banksy-Wand im Foyer A-B weist auf den neuen Vegitag in der Mensa hin. (Corina Tobler)

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Das große Summen darf nicht verstummen. 🐝
Ein kleines Gedicht zum Schutz unserer Bienen:

BIENE IN NOT

Ohne das herrliche Insekt
Wäre uns’re Welt nicht perfekt.
Fleißig wirkt sie in Wald und Flur
Für das Gedeihen der Natur.
Des Flügelschlags nimmer müde,
Eilt sie von Blüte zu Blüte.

Wir genießen ihren Honig,
Ihr Leben kümmert uns wenig.
So kann bald nahen die Stunde,
Da sie dreht die letzte Runde.

Wer die Vielfalt der Arten will,
Vermeidet den Chemie-Cocktail.
Insekten brauchen Lebensraum,
Lassen wir ihnen Gras und Baum.
Auch Wirbellose sind es wert,
Dass ihnen kein Leid widerfährt.

Rainer Kirmse , Altenburg

Herzliche Grüße aus Thüringen

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